Mein Aufenthalt auf Rügen vom 8.9. bis 18.9.2019

Ich hatte schon längere Zeit den Wunsch, aus Bayern heraus zu kommen und etwas vom übrigen Deutschland zu sehen. Spontan kam mir die Idee, nach Rügen an die Ostsee zu fahren. Gedacht, geplant, getan: Im September 2019 war es soweit. 10 Tage auf der größten deutschen Insel erwarteten mich, die ich teils mit dem Fahrrad, teils mit dem Bus erkundete.

Tag 1: 8.9.

Um 17:30 bin ich nach gefühlten 10 Stunden Fahrt in Breege angekommen. Die Gemeinde liegt im Norden Rügens, genauer gesagt auf der Halbinsel Wittow. Das Ferienapartment, das ich gebucht hatte, war aus irgendwelchen Gründen jedoch schon belegt. Glücklicherweise war die Vermieterin gerade anwesend, so dass ich schnell und unkompliziert ein anderes Apartment beziehen konnte. Nach dem Abladen meines Gepäcks habe ich gleich mal den Strand inspiziert. Er war teils mit angespültem Holz, Tang und Seegras bedeckt, der Sand war sehr fein.

 

Tag 2: 9.9.

Es hatte fast die ganze Nacht hindurch geregnet und auch der heutige Tag war verregnet. Dadurch musste ich meine Planung etwas anpassen und habe einen Ruhetag eingelegt. Ich hatte mir weiser Voraussicht Gummistiefel eingepackt. Bei vormittäglichen Strandspaziergang mit steifer Brise und recht ansehnlichen Wellen waren sie auch recht hilfreich. Am Strand waren viele angespülte Ohrenquallen zu finden.

Tag 3: 10.9.

Den heutigen, noch teils verregneten Tag habe ich zum Einkaufen in Breege genutzt. Der Weg in den Ort führte mich ein Stück durch den Schlosspark Juliusruh, welcher von Julius von der Lancken (daher Juliusruh) ab 1795 im Rokoko-Stil angelegt wurde, als Rügen noch zu Schweden gehörte. Mit dem Wetter bin ich bisher noch nicht richtig zum Fotografieren gekommen. Das sollte sich ab dem nächsten Tag jedoch ändern.

Tag 4, 11.9.

Meine erste Radtour führte mich zum Kap Arkona. Auf dem Weg dorthin kam ich am Großsteingrab Nobbin vorbei. Es stammt aus der Jungsteinzeit und gehört zu den größten Steingräbern Norddeutschlands. 1970 fanden dort Ausgrabungen statt, wobei 2 Schädel, Pfeilspitzen und 1 Urne aus der Eisenzeit entdeckt wurden. Weiter ging es an der Vitter Kapelle (erbaut 1806-1816 nach einem Entwurf von Schinkel) vorbei zu meinem Ziel. Dort gibt es einen Leuchtturm, den Marinepeilturm und die Jaromarsburg, eine slawische Burganlage aus dem 9. Jahrhundert. Den  Marineführungsbunker besichtigte ich jedoch nicht. Vitt ist ein kleines, pittoreskes Fischerdorf in der Liete mit reetgedeckten Fischerhütten, ca. 1,5 km vom Kap entfernt. Es steht unter Denkmalschutz. Dort bekommt man natürlich frischen Fisch in allen Variationen. Durch Putgarten ging es zurück nach Juliusruh.

Tag 5, 12.9.

Um 10 Uhr ging es mit der "Wappen von Breege" vom Breeger Hafen nach Vitte auf Hiddensee. Die Fahrt dauerte 1h 15 min. Hiddensee ist autofrei, es gibt jedoch einen Inselbus und Pferdewagen. Gleich nach Ankunft wendete ich mich südlich nach Neuendorf-Plogshagen in der Dünenheide, 6 km von Vitte entfernt. Das ehemalige Fischerdorf steht unter Denkmalschutz. Die meist reetgedeckten Häuser stehen über die Heide verteilt und bieten in dieser Landschaft einen sehr schönen Anblick. Dort ließ ich mir natürlich auch wieder ein Fischbrötchen schmecken. Nach der Rückfahrt nach Vitte war noch genug Zeit, nach Kloster weiterzufahren. Der Ort ist nach dem ehemaligen Zisterzienserkloster benannt und war Sommerwohnsitz von Gerhart Hauptmann und Asta Nielsen. Zur Besichtigung seines Wohnhauses war allerdings keine Zeit mehr. Um 15:15 ging es bereits wieder zurück nach Breege.

Tag 6, 13.9.

Heute ging es wieder am Kap Arkona vorbei zum Siebenschneiderstein, einem Findling in der Nähe des Kaps. Von dort hat man eine sehr schöne Aussicht auf die Ostsee. Außerdem ist dies der nördlichste Punkt Rügens. Der Strand ist reizvoll, jedoch sehr felsig und mit viel Seegras und Tang bedeckt. Weiter ging die Fahrt durch Dünenwald und über Feldwege nach Dranske. Dort wollte ich noch ein Stück in den Bug weiterfahren, leider war die Straße dorthin gesperrt. So machte ich eine Pause am Strand und ließ mir den Wind um die Nase wehen. Hiddensee liegt genau gegenüber, nur einen Steinwurf entfernt. Auf der Rückfahrt bin ich noch auf einen Sanddornsaft eingekehrt.

Tag 7, 14.9.

Die heutige Radtour ging zur Stubbenkammer, den berühmten Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund. Der Weg dorthin war recht anspruchsvoll. Rügen ist doch hügeliger, als man meinen möchte. Nahe bei den Kreidefelsen liegt inmitten der Buchenwälder auch der Herthasee, ein ruhiger kleiner Waldsee mit der Herthaburg, einem slawischen Burgwall. Natürlich habe ich die bekannte Viktoriasicht genossen, ein Aussichtspunkt mit dem besten Blick auf den Königsstuhl. Anschließend besuchte ich die sehr informative Ausstellung zur Geschichte der Kreidefelsen auf Rügen. Danach ging es an die ebenso anspruchsvolle Rückfahrt.

Tag 8, 15.9.

Das Fahrrad blieb heute stehen, statt dessen ging es per Bus nach Sassnitz. Die Stadt hat gut 9000 Einwohner und besitzt einen bedeutenden Fährhafen. Von hier starten Fähren nach Dänemark, Schweden, Litauen und Russland. Außerdem befindet sich in Mukran der größte Eisenbahnfährhafen Deutschlands. Mein Weg führte mich zuerst zum Stadthafen mit dem Glasbahnhof, dem alten Hafenbahnhof sowie der 1,8 km langen Mole. Das Ende der Mole mit dem Leuchtturm ist ein guter Platz, um ein- und auslaufende Schiffe zu beobachten. Bisweilen bläst dort aber ein heftiger Wind. Im Hafen kann man auch die "HMS Otus" besichtigen, ein britisches U-Boot. Neben dem Tourismus war und ist der Fischfang  von Bedeutung, woran noch heute das Seemannsheim erinnert. Zu DDR-Zeiten war Sassnitz neben Rostock der wichtigste Fischereihafen. Zum Abschluss besichtigte ich noch das Fischereimuseum am Hafen.

Tag 9, 16.9.

Heute standen die traditionsreichen Ostseebäder Sellin und Binz auf dem Programm. Mit dem Rasenden Roland ging es zuerst von Binz nach Sellin. Die Fahrt ist ein Erlebnis für sich. Nach 30 Minuten erreicht man Sellin. Sehenswert sind dort die Seebrücke, der Sand- und Felsenstrand und natürlich die Bäderarchitektur. Die Tauchglocke am Ende der Seebrücke ist den Eintritt von 9€ wert. In 4 m Tiefe erfährt man Interessantes über den Lebensraum Ostsee, während vor den Fenstern Quallen und Fische vorbeiziehen. Auch Binz lebt hauptsächlich von seiner Vergangenheit als mondänes Ostseebad. Davon zeugt die Bäderarchitektur und der Strand mit Seebrücke und Kurhaus.

Den letzten Tag ging ich ruhig an mit einem entspannten Strandspaziergang nach Glowe. Es war sehr windig. Am nächsten Tag hieß es nach einer erlebnisreichen Zeit Abschied nehmen von Rügen, jedoch mit Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen. Die Insel ist zu jeder Zeit eine Reise wert.